„Die greifbaren Umsetzungen wie in den Alpenstädten sind von unschätzbarem Wert“
Vera Bornemann ist als Mitarbeiterin im Ständigen Sekretariat der Alpenkonvention die Kontaktperson des Vereins Alpenstadt des Jahres bei der Alpenkonvention. Sie sieht die Alpenstädte als ein buntes Kaleidoskop von erlebbaren Umsetzungen der Alpenkonvention, als einen Schatz kompetenter Personen, wenn es um die Lebenswirklichkeit in Gemeinden geht. Und sie teilt mit diesen Menschen die Motivation, sich für ein gutes Leben in den Alpen einzusetzen.
Liebe Vera, wie hängen die «Alpenstädte des Jahres» mit der Umsetzung der Alpenkonvention zusammen?
Die Alpenkonvention ist für den Alpenraum ein wichtiges, internationales und rechtsverbindliches Instrument und seit über 30 Jahren ein starkes Argument für nachhaltige, grenzüberschreitende Entwicklung und Kooperation im Alpenbogen. Die Konvention und ihre Protokolle sind Völkerrecht, das anzuwenden ist. Einen großen Unterschied mach aus meiner Sicht, wenn die Konvention aktiv genutzt wird, um positive Dinge voranzutreiben. Die «Alpenstädte des Jahres» sind als eine Idee entstanden, wie man die Alpenkonvention in der Praxis umsetzen und dies belohnen kann.
Was bringt einer Gemeinde die Auszeichnung «Alpenstadt des Jahres» – besonders im Kontext der Alpenkonvention?
Häufig hören wir Frage wie: was bringt die Alpenkonvention konkret? Wie lassen sich Menschen für eine nachhaltige Entwicklung begeistern? Zu all diesen Fragen findet man in Alpengemeinden, die sich die Alpenkonvention aktiv auf die Fahne schreiben, Antworten. Daher ist jede einzelne Alpenstadt des Jahres aus meiern Sicht sehr wertvoll für die Alpenkonvention.
Solche fruchtbaren, internationalen Kooperationen brauchen einen Rahmen und einen Anstoß, da sie – ganz besonders über Länder- und Sprachgrenzen hinweg – nicht von selbst starten. Diese unterschiedlichen Ebenen sind eine wesentliche Gemeinsamkeit des Vereins und des Ständigen Sekretariats.
Der wichtigste Aspekt an allem, was wir tun, sind die Menschen, die mit persönlichem Engagement daran arbeiten – und vor allem zusammenarbeiten.
Warum sind Netzwerke wie «Alpenstadt des Jahres» gerade im alpenweiten Kontext so wichtig?
Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch in Sonthofen als frischgebackene Mitarbeiterin im Sekretariat der Alpenkonvention vor zehn Jahren. Schon vorher hatte ich mitbekommen, dass die Alpenkonvention in der Öffentlichkeit leider häufig primär als «Verhinderungsinstrument» wahrgenommen wird. In Sonthofen jedoch zeigten mir Ingrid Fischer und Manfred Maier damals ganz beiläufig ihren umfassenden Plan, welche Umsetzungen die Stadt für die spezifischen Protokolle der Alpenkonvention zu bieten hat. Ein Augenöffner – und eine schöne Bestätigung, wie sinnvoll und wirksam die Alpenkonvention sein kann. Mir ist klar, dass konkrete nachhaltige Entwicklung selten leicht umzusetzen und zu erhalten ist, sondern viel Überzeugungsarbeit und Durchsetzungsvermögen nötig ist. Wenn Gemeinden Projekte umsetzen, hat das einen großen Vorteil: Man sieht sie. Dadurch lässt sich viel besser und nachvollziehbarer für mehr Nachhaltigkeit werben.
Die Alpenkonvention und ihre Protokolle haben eine starke potentielle Wirkung, die direkt wahrnehmbare Wirkung dagegen ist oft schwierig zu fassen. Daher sind greifbare Umsetzungen wie in den Alpenstädten oder den Infopoints der Konvention von unschätzbarem Wert!
Was wünscht du dir für die Zukunft der Alpenstädte bzw. des Vereins?
Drei Wünsche: dass ihr weiterhin motiviert für eine gute Zukunft im Alpenraum über Länder- und politische Grenzen hinweg zusammenarbeitet. Dass ihr weiterhin konkrete nachhaltige Projekte im Sinne der Alpenkonvention in den Städten umsetzt. Und – last but not least – dass ihr weiterhin die Stimme der Alpenstädte aktiv in die Prozesse der Alpenkonvention einbringt!

