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Manifest für ein frühes Sterben

20.12.2013

Ich bin bald 50. Mein Vater 90. Mein Sohn 10. Ich mache mir Sorgen. Die immer neuen Mittel, mit welchen wir Wege suchen, unseren Tod hinaus zu zögern, sind schlecht. Die neuen Alten sind wirklich alt. Sie sind so alt, dass die Gehirne, welche die Evolution für ein 30 Jahre dauerndes Leben vorgesehen hat, in den 100-jährigen Schädeln schon lange wie Käse verrottet sind - bedingt durch die den vielen E-Stoffe, Schadstoffe und Schadstoffbekämpfer.

Meine Grosseltern verloren alle um 90 ihren Geist. Ich mache mir Sorgen um meinen Vater. Sein Gehirn läuft noch tadellos, abgesehen von seltenen Auspuffknallern. Was ist besser für ihn - jetzt den Löffel abgeben oder erst noch Bissen für Bissen mit dem Löffel sein Gehirn aufessen?

Ich mache mir Sorgen um meinen Sohn. Weil ich, wenn die Wissenschaft so weiter macht wie bislang, mit 95-prozentiger Chance mehr als 100 Jahre alt werde. Und in 20 Jahren im Vor-mich-hinvegetieren Ressourcen und Energie verbrauche, die so weder der Menschheit nützen noch mir zustehen. Vegetierendes Gemüse in einem Rollstuhl. Ein stummer Vogel auf der dunklen Seite des Mondes.
Wie viel Natürliches ist noch daran? Die Natur ist grausam, keine Frage. Aber sind nicht die neuen Möglichkeiten, die sich grenzenlos über alles Naturgegebene hinweg setzten, auch grausam? Warum müssen wir uns anmassen, über uns und den Tod zu entscheiden, zwischen Grausamkeit und Grausamtigkeit zu unterscheiden?

Ich hoffe.

Ich mache mir Sorgen um mich. Merke ich, wenn der Moment da ist, mich für die Grausamtigkeit und gegen die Grausamkeit zu entscheiden? Ich möchte nicht meinem Sohn diese Wahl aufbürden.
Schönheit liegt im Auge des Betrachters.
Ich hoffe, keinen Fehler zu begehen. Ich hoffe, niemals eine Bürde zu sein. Ich hoffe, immer zu merken, eine Bürde zu sein. Ich hoffe, immer in Würde zu sein.
Die Welt gehört der Jugend!

Autor: Patrick Tobler, Schweiz

Dieser und viele andere Texte wurden während des Jugendparlaments zur Alpenkonvention YPAC 2013 in Sonthofen von einem Mitglied der Folio-Gruppe verfasst. Das gesamte Folio ist auf www.ypac.eu/past-ypacs/ypac-2013/folio gratis als Download verfügbar.

Das Jugendparlament zur Alpenkonvention wurde 2006 vom Akademischen Gymnasium Innsbruck ins Leben gerufen und findet seither jedes Jahr in einem anderen Alpenland statt. Das YPAC 2013 "Meine Alpenstadt der Zukunft - Forderungen der Jugend zur nachhaltigen Entwicklung alpiner Städte im Sinne der Alpenkonvention" wurde organisiert vom Verein "Alpenstadt des Jahres", der Stadt Sonthofen ("Alpenstadt des Jahres 2005") und vom Gymnasium Sonthofen sowie fachlich unterstützt von der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA. Ermöglicht wurde das Jugendparlament dank der grosszügigen Unterstützung von u. a. dem EU-Programm "Jugend in Aktion", den bayrischen und deutschen Umweltministerien.

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