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Musikalische Grenzgänger: Alpine towns in concert

Isabelle Herlin schwenkt in der einen Hand den Taktstock. Mit der anderen Hand zeigt die zierliche Frau, die mit ihren grossen Gesten das ganze Orchester umarmt, immer wieder ihren Musikern handflächengrosse Karten. Darauf sind in dicker, schwarzer Schrift einzelne Buchstaben gemalt. Die Augen der Flötisten und Schlagzeuger in rostroten Westen verfolgen jede ihrer Bewegung. Zwischen den Spielern sitzen ihre Eltern, die leise und unsichtbar für den Zuhörer mitsummen.

Alpine Towns in concertKaum einer der Musiker kann Noten lesen. Sie haben Stück für Stück von George Bizets Habanera bis zu Queens Greatest Hits auswendig gelernt. Im Orchester Tétras Lyre spielen beinahe ausschliesslich französische Musiker mit geistiger Beeinträchtigung. Das Summen ihrer Begleitpersonen und die Karten der Dirigentin helfen, sollten sie doch mal aus dem Takt kommen oder eine Note vergessen. 

Ein Freitagabend im September 2012, es ist der offizielle Abschluss der AlpenWoche. Die Turnhalle in Poschiavo ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Zuvor berieten vier Tage lang Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft über die Erneuerbarkeit der Alpen. Zur Gestaltung der Alpen gaben der Verein «Alpenstadt des Jahres» gemeinsam mit der CIPRA auch der jungen Generation eine Stimme. Daher luden sie mit dem Projekt young@lpweek Jugendliche aus verschiedenen Alpenländern ein mitzureden. Darunter auch Musiker des Tétras-Lyre-Orchesters und der Miner’s Brass Band aus dem slowenischen Idrija. 

Hier im Puschlav, auf halber Wegstrecke zwischen Chambéry und Idrija, haben sich Tétras Lyre und die Miner’s Brass Band erstmals getroffen. An nur einem Tag sollten die Melodien zusammenfinden, die sie zuvor 800 Kilometer voneinander getrennt monatelang einstudiert hatten. Während der gemeinsamen Proben essen und schlafen die Musiker in einem Luftschutzkeller, der von den Dorfbewohnern liebevoll hergerichtet wurde.

Für die Blaskappelle aus Slowenien, eine der ältesten in Europa, ist «Alpine Towns in Concert» das erste Projekt mit Menschen mit Beeinträchtigungen. Die Bläser in traditioneller schwarzer Bergmannskluft, die an die Vergangenheit Idrijas als bedeutende Quecksilber-Mine erinnern, sind zum Grossteil unter 30 Jahre alt. Zusammen mit den rostroten Westen der Franzosen bilden sie einen bunt geknüpften Teppich auf der Bühne.

Die Idee für das gemeinsame Konzert wurde an einem der Treffen der Alpenstädte gesponnen. Isabelle Herlin, die das Orchester Tétras Lyre und als Vizebürgermeisterin die internationalen Beziehungen der Stadt Chambéry leitet, reiste kurzerhand nach Idrija. Partituren wurden ausgetauscht, umgeschrieben und angepasst. Domen Prezelj komponierte eigens ein Stück aus slowenischen Melodien für den Auftritt in Poschiavo, an dem er gemeinsam mit seiner französischen Kollegin dirigiert.

Der Taktstock steht still. Domen und Isabelle nehmen sich an der Hand, wenden sich zum Publikum. Tosender Applaus erfüllt den Saal. Gemeinsam stehen die rostroten und schwarzen Uniformen mit strahlenden Gesichtern von ihren Stühlen auf. Ein Blockflötenspieler streckt sein Instrument in die Höhe. Im Publikum erheben sich klatschend die Menschen: die Bewohner des Tals von denen einige bei den Proben dabei waren und jetzt Freunde und Familie mitgebracht hatten; die Vertreter der Alpenstädte, die sich ungeachtet sprachlicher und geografischer Grenzen ihre lokalen Erfolgsgeschichten erzählten und die anderen Jugendlichen, die mit den Umweltministern in Poschiavo die Zukunft ihrer Alpen diskutierten.

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