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Ein Abenteuer mit Folgen - Annecy, Alpenstadt des Jahres 2012

19.06.2013

Jean-Luc Rigaut, Bürgermeister von Annecy, über die Auszeichnung zur Alpenstadt des Jahres 2012, unverhoffte Dynamiken und die Solidarität zwischen Städten.

Jean-Luc Rigaut: Ich bin über die Mobilisierung durch das Alpenstadt-Jahr sehr glücklich.
© Ville d'Annecy

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Annecy hat für sein Alpenstadt-Jahr ein umfangreiches Programm ausgearbeitet. Was war das Besondere an diesem Jahr?
Unsere Schwerpunkte waren der Klimawandel im Zusammenhang mit unserem Aktionsplan und dem Bau des Ökoviertels «Vallin Fier» sowie das Thema Wasser. Wir haben unter anderem zwei nachhaltige Projekte umgesetzt und in der Verwaltung eine Stelle für Zusammenarbeit und Informationsaustausch eingerichtet. Und wir haben im Rhythmus des Labels «Alpenstadt des Jahres», also im Rhythmus der Veranstaltungen, gelebt. Es war auch eine Gelegenheit, unsere alpine Identität zu feiern und zu stärken, unsere bisherigen Entscheidungen für eine nachhaltige Entwicklung zu bekräftigen und unsere Bürger zu informieren.

Wie ein roter Faden zog sich die alpine Identität durch das Alpenstadt-Jahr.
Zahlreiche Vereine präsentierten sehr erfolgreich die alpine Kultur und ihr Erbe, setzten sich für ihre Erhaltung und Wertschätzung ein, stärkten die Verbindungen zur Moderne und zu anderen regionalen Kulturen. Zum Beispiel drehten Schüler in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk «EmpreintE» einen Kurzfilm. Gezeigt wird, wie diese jungen Annéciens ihre Alpenbürger-Identität neu erleben. Der Film macht auch die generationenübergreifende Dimension einer alpinen Identität deutlich. Abgeschlossen wurde das Alpenstadt-Jahr mit dem Chorprojekt «Cant›alpina». Mehr als 200 Sänger nahmen teil. Zum einen wurden die in den Alpen gesammelten traditionellen Melodien wiederbelebt, zum anderen Kompositionen durch Musiker der Stadt neu geschrieben.

Für den Erfolg war das Engagement Einzelner sehr wichtig, wie etwa von Thierry Billet, Vize-Bürgermeister und Stadtrat für Umwelt, und eine breite Unterstützung.
Zur Umsetzung unseres Alpenstadt-Programms haben wir viele Menschen motiviert, angefangen bei den Politikern, den kulturellen Vereinen und den Partnern der Stadt bis hin zu den Einwohnern. Thierry Billet ist es gelungen, dieses Projekt zum Leben zu erwecken und diejenigen um sich zu versammeln, die diesem prestigereichen Label Wirkung und Strahlkraft verliehen haben. Als Bürgermeister bin ich sehr glücklich diese Mobilisierung erlebt zu haben, die uns das Abenteuer «Alpenstadt des Jahres 2012» gebracht hat.

Wie haben die Bewohner von Stadt und Region dieses Jahr erlebt?
Sie haben diese spezielle Zeit geschätzt. Jeder konnte Orte der Reflexion und Raum zum Austausch über vielschichtige Fragen wie die touristische Entwicklung finden. Die Ausstellung «Von der Gleichgültigkeit zum Schutz» erzählte zum Beispiel von der Beziehung der Bewohner zu ihrem See. Lange Zeit war sein Schutz kein Anliegen. Als dieser dann aber beschlossen wurde, zogen alle an einem Strang, um die notwendigen Mittel aufzubringen.

Wie wurde «Wasser» als zentrales Thema umgesetzt?
Das Renommee für der Schönheit Annecys, sein natürliches und bauliches Erbe und seine Lebensqualität sind nicht zufällig. 1957 wurde der Gemeindeverband des Sees von Annecy gegründet. Er setzt sich vorbildhaft für das Gewässer ein, für die Bewahrung und Erweiterung dieses Vorzugs der Stadt. Dieses kontinuierliche Engagement für eine nachhaltige Entwicklung im Sinne der Alpenkonvention und unserer Agenda 21 wurde durch die Auszeichnung zur «Alpenstadt des Jahres» anerkannt. Wasser als wesentliches Element wollten wir aber nicht von anderen Umweltproblemen entkoppeln. Deshalb haben wir die Themen Wasser und Klimawandel zusammengeführt, unter anderem in einer Ausstellung im Rathaus über die Rettung des Sees, der Vortragsreihe «mardis du climat» und eines Fotowettbewerbs zum Thema «Annecy + 3°C».

Was war der schwierigste Moment im Alpenstadt-Jahr?
Wie bei allen Projekten dieser Grösse gibt es immer eine gewisse Sorge, dass man nicht all die vielfältigen Erwartungen erfüllen kann. Unsere Partner, darunter die Alpenstädte, und vor allem die Öffentlichkeit haben
uns aber ermutigt und diesen Moment des Zweifels in eine Chance verwandelt, uns selbst zu übertreffen.

Wie haben Sie den Beitritt Annecys zum Verein «Alpenstadt des Jahres» erlebt?
Der Eintritt in die grosse Familie der alpinen Städte war gleichzeitig Synonym für eine Herausforderung. Eine kooperative Dynamik hält dieses internationale Netzwerk am Leben. Sie ist ein besonders effizientes Mittel, um ausgehend von einem Erfahrungsaustausch und der Entwicklung von gemeinsamen Projekten zusammen gute Beispiele zu entwickeln. So können wir aktuellen und zukünftigen Herausforderungen in der Umweltpolitik begegnen.

Warum sollte eine Kommune «Alpenstadt des Jahres» werden?
Es ist heute nicht mehr möglich, die Schwierigkeiten, mit denen wir konfrontiert sind, isoliert zu betrachten. Eine Lösung dafür kann nur in einer dynamischen Gemeinschaft gefunden werden, in einer Solidarität zwischen den Städten, zwischen Regionen mit gemeinsamen Zielen. Diese Solidarität, die die Alpenstädte durch dieses grenzüberschreitende Netz vereint, ist für mich die grösste Motivation.

Was wird in Annecy vom Alpenstadt-Jahr bleiben?
Die Stadt wird das bisherige Geleistete zu Wasser, Klima und alpiner Identität weiterführen und neue Aspekte, die sich durch das Alpenstadt-Jahr ergeben haben, berücksichtigen. Ein Beispiel für die Kontinuität des Alpenstadt-Jahres ist die Gründung eines Klimaclubs. Dieser bringt Vereine, Unternehmen und Bürger zusammen, die sich für die konkrete Verwirklichung unseres Klimaplans einsetzen.

Quelle: Jahresbericht des Vereins Alpenstadt des Jahres 2012, www.alpenstaedte.org/de/infoservice

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